Nachbericht aus Oberhausen

Über die Feiertage zu Ostern haben Udo und ich am traditionellen Oberhausener Oster Open teilgenommen. Udo erreichte hierbei gegen ausnahmslos starke Gegner gute 2 Punkte aus 7 Partien, ich kam nach durchwachsenen Leistungen auf 3,5 Punkte. Gewonnen hat erwartungsgemäß der deutsche Nationalspieler GM Daniel Fridman. Insgesamt waren 148 Spieler am Start, darunter 16 Titelträger.

Udo und ich hatten bereits mehrmals in Oberhausen teilgenommen und verbinden gute Erinnerungen mit dem Turnier, insbesondere bzgl. Organisation und Spielbedingungen. Daher ließen wir es uns auch in diesem Jahr nicht entgehen, unser Glück dort zu versuchen. Und mit dieser Entscheidung standen wir nicht alleine. Neben dem Oberhausener Aushängeschild GM Vlastimil Hort hatte sich kurzfristig mit GM Daniel Fridman ein Nationalspieler angemeldet. Mit 148 Teilnehmern war das Turnier zwar in diesem Jahr ausnahmsweise nicht ausgebucht, dennoch waren wie immer ausreichend Spieler jeder Spielstärke vertreten. Udo fand sich in der Setzliste an Position 126 wieder, ich nahm mit meiner nicht ganz zufriedenstellenden Elo Platz 79 ein. Doch dieser Setzlistenplatz hatte auch etwas Gutes, da er bedeutete, dass ich in der ersten Runde an einem der vordersten Bretter auf der Bühne spielen durfte.

An Brett 5 saß ich nun dem Internationalen Meister Matthias Dann aus Berlin gegenüber. Auch Udo hatte eine scheinbar aussichtslose Aufgabe zu bewältigen. Er spielte gegen Marc Richters (Elo 2036). Bei mir nahm die Partie den erwarteten Verlauf. Mein Gegner überlegte kaum, ich ließ mich ziemlich leicht überspielen und musste schließlich aufgeben – etwas mehr Gegenwehr hatte ich mir schon erhofft. Udo dagegen hielt sehr gut mit. Sein Gegner hatte eine Qualität für zwei Bauern geopfert, konnte aber noch kein Kapital daraus schlagen. Das Ende der Partie bekam ich nicht mit, als ich aber abends auf die Ergebnisse schaute, sah ich, dass Udo seinem Gegner tatsächlich ein Remis abgerungen hatte.

Am Karfreitag wartete eine Doppelrunde auf uns. Als Lohn für sein überraschendes Remis durfte Udo zunächst gegen FM Marcel Becker antreten, der in der ersten Runde ebenfalls überraschend nur Remis gespielt hatte. Doch trotz des frisch errungenen Selbstvertrauens agierte Udo hier etwas unkonzentriert und verlor bereits nach wenigen Zügen eine Figur und die Partie. Ich war in meiner ersten Partie gegen Norbert Moseler (Elo 1614, DWZ 1301) deutlicher Favorit, begann aber etwas unkreativ und musste mich lange mit einer ausgeglichen Stellung herumschlagen. Daher begnügte ich mich zunächst damit, meine Figuren auf vernünftige Felder zu bewegen. Das etwas abwartende Verhalten provozierte meinen Gegner dazu, selbst das Heft in die Hand zu nehmen, was prompt schief ging und mir innerhalb weniger Züge den Partiegewinn einbrachte. Am Nachmittag spielte Udo gegen Lukasz-Rafal Potyrala (Elo 1860), ich gegen Ingo Krimphoff (DWZ 1927). Aus dieser Runde gibt es wenig Spannendes zu berichten. Udo geriet nach und nach immer mehr unter Druck und musste seinem Gegner zum verdienten Sieg gratulieren. Ich erreichte mit Weiß nach einer nicht allzu komplizierten Eröffnung eine sehr ausgeglichene Stellung und nahm bereits nach ca. einer Stunde das Remisangebot meines Gegners an – eine willkommene Situation in einer Doppelrunde.

In der vierten Runde musste ich gegen Frank Ackermann (Elo 2055) ran, Udo traf auf David Atkins (Elo 1694) und liebäugelte diesmal wieder mit einer Überraschung. Meine Partie dauerte zwar nur 22 Züge, verlief aber äußerst kompliziert. Ich war in der Eröffnung etwas unter Druck geraten, konnte mir dann aber einen Bauern nehmen, woraufhin mein Gegner weiter angriff und sich den Bauern schnell zurückholte. Mit genauem Spiel konnte ich dann aber durch eine forcierte Abwicklung ein Remisendspiel erreichen. Udo erlebte in seiner Partie Höhen und Tiefen, hatte aber letztendlich das Glück auf seiner Seite. Er verlor zunächst einen Bauern, gewann diesen aber zurück, als sein Gegner eine Fesselung übersah. In der entstandenen Stellung waren seine Figuren dann deutlich aktiver postiert, was wohl schließlich die Partie zu seinen Gunsten entschied.

Am Ostersonntag standen für uns erneut zwei Runden auf dem Programm. Ich spielte mit Weiß gegen einen ähnlich starken Gegner wie in der dritten Runde (Achim Heller, Elo 2050) und hatte mir vorgenommen, diesmal etwas aktiver vorzugehen. Ich probierte eine neue Variante gegen die Caro-Kann-Verteidigung aus, fand mich dabei aber zu Beginn nicht so zurecht. Schließlich setzte ich mit einem doppelten Figurenopfer alles auf eine Karte. Nicht ganz überraschend konnte mir mein Rechner dieses im Anschluss widerlegen. Mein Gegner, der zunächst sichtlich überrascht war, konnte jedoch keinen klaren Vorteil erreichen. Er behielt zunächst einen Mehrbauern, hatte aber eine gefährlich offene Königsstellung. Den Bauern konnte ich dann zurückgewinnen. Doch gerade als in der nun ausgeglichenen Stellung ein Remis in der Luft lag, unterlief mir ein folgenschwerer Fehler, als ich nach einem Turmtausch mit der falschen Figur zurückschlug und in eine relativ einfache Mattkombination lief – äußerst ärgerlich, zumal die von Taktik geprägte vierstündige Partie viel Kraft und Nerven gekostet hatte.  Udo war gegen Walter Westermann (Elo 1880) zum wiederholten Male klarer Außenseiter und konnte diesmal keinen Punkt erkämpfen.

Nachmittags fand ich mich nach der Niederlage etwas weiter hinten wieder und war nun gegen Stefan Hofer (Elo 1731) ziemlich unter Druck. Udo spielte gegen Kordula Lebioda-Dette (Elo 1730). In meiner Partie wich ich früh von gewohnten Pfaden ab und entwickelte meine eigene (aus strategischer Sicht völlig blödsinnige) Variante. Es sah zwar zunächst so aus, als wenn ich am Damenflügel einen Angriff starten könnte, dafür hatte ich aber einige meiner Figuren vom Königsflügel abgeschnitten, was mein Gegner sogleich zu einem äußerst gefährlichen Königsangriff nutzte. Ich verteidigte mich lange, eine Qualität musste ich aber dennoch zum Überleben opfern. Immerhin hatte ich dafür am Damenflügel noch einen Bauern gewonnen. In der folgenden heftigen Zeitnotphase versuchte ich, mich mit meinen verbliebenen Figuren einzumauern und wenigstens ein Remis zu retten. Mein Gegner musste sich am Königsflügel mit dem gewonnenen Material zufrieden gegen und verschob seine Figuren nach und nach zur anderen Seite. Schließlich dachte ich, dass er einen Gewinnweg gefunden hatte, als er mich indirekt zum Damentausch zwang. Tatsächlich aber vergab er einen Zug später die Möglichkeit zum Sieg. Es folgten mehrere Abtausche und ein Turm vs. Springer-Endspiel, in welchem meinem Gegner ein weiterer Fehler unterlief, der mir einen zweiten Bauern und ein Remisendspiel einbrachte. Glück gehabt, trotzdem war der Ostersonntag aus schachlicher Sicht für mich ein Tag zum Vergessen! Udo hatte sich übrigens durch seine guten Ergebnisse anscheinend einiges an Respekt erarbeitet und konnte sich mit seiner Gegnerin früh auf ein Remis einigen.

Am Abschlusstag ging es für mich gegen Willi Spenk (Elo 1708) im Prinzip nur noch um Schadensbegrenzung. Glücklicherweise konnte ich in dieser Partie bereits früh eine Figur für zwei Bauern gewinnen. Von dem Materialrückstand unter Druck gesetzt, setzte mein Gegner auf eine Alles-oder-Nichts-Taktik und opferte einen Bauern, um seine g-Linie zu öffnen. Der Angriff sah aber dennoch nicht übermäßig gefährlich aus. Ich musste mich zwar noch recht lange quälen, konnte den Sieg irgendwann aber doch unter Dach und Fach bringen. Udo verlor gegen Frank Wienkamp (Elo 1790), was nichts an seinem guten Abschneiden ändern konnte.

Mit dem Erreichen des Mindestziels von 50% der möglichen Punkte landete ich in der Tabelle auf dem 77. Platz, Udo wurde mit 2 Punkten aus 7 Partien 124.. In weiteren Zahlen ausgedrückt bedeutete das für mich -15 DWZ und +2 Elo, für Udo +44 DWZ und +35 Elo. Mir wurde hauptsächlich der viel zu anstrengende Ostersonntag zum Verhängnis. Udo konnte insgesamt überzeugen – einziges Manko: nach guten Leistungen fehlte mehrmals die Konzentration und Konstanz in der nächsten Partie. Die ersten drei Plätze gingen übrigens an GM Daniel Fridman, IM Thomas Henrichs und IM Karl-Heinz Podzielny.

Weitere Informationen:

Bericht von Michael Glahn

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