(Ersatzgeschwächte) Erste erkämpft Remis zum Saisonabschluss

Wie die Klammern in der Überschrift andeuten, scheint der Ausfall mehrerer Stammkräfte bei der Ersten zur Gewohnheit zu werden und ist kaum noch eine Meldung wert. Im letzten Saisonspiel beim Tabellennachbarn SF Brackel III gelang es der Mannschaft jedoch, der Personalnot zu trotzen. Es entwickelte sich ein Spiel, das dem Wetter draußen glich – wechselhaft, chaotisch und völlig unberechenbar. Nach anfänglichen Schwierigkeiten brachte ein sensationeller Erfolg von Ersatzmann Horst Stubbe und ein erfolgreicher Konter von Christian Mayeres die Altstädter mit zwei Punkten in Front. Zwischenzeitlich war ein Sieg zum Greifen nah. Dann kippten aber ein paar der verbliebenen Partien und wir mussten wieder Zittern. Letztlich musste beim Stand von 3½:3½ meine Partie entscheiden. Diese endete schließlich wie der Mannschaftskampf remis. Durch das Unentschieden beseitigten wir die letzten theoretischen Abstiegssorgen und hielten Platz 5 in der Tabelle unmittelbar hinter Brackel.

Vor dem letzten Spiel befanden wir uns im Mittelfeld der Tabelle – ohne Chance nach oben aber noch mit minimaler Abstiegsgefahr. Für einen Abstieg hätte es u.a. eine deutliche Niederlage von uns und einen zeitgleichen deutlichen Erfolg von Abstiegskandidat Bottrop über Spitzenreiter LB Essen gebraucht. Nach den bisherigen Saisonleistungen war Brackel für das Saisonfinale leichter Favorit. Leider hatten wir erneut große Personalsorgen. Am achten Brett musste schließlich Horst Stubbe aushelfen, der in der zweiten Mannschaft in diesem Jahr etwas unglücklich agiert hatte. Durch diese Probleme wurde Brackel zum haushohen Favoriten. Ab Brett 5 konnten sie DWZ-Vorteile im dreistelligen Bereich vorweisen. Nachdem wir bereits im letzten Spiel in einer ähnlichen Situation gegen Welper eine klare Niederlage kassiert hatten, musste man befürchten, dass wir schließlich auf die Schützenhilfe von LB Essen angewiesen sein würden.

Der Beginn ließ nichts Gutes erhoffen. Horst spielte an Brett 8 gegen Thomas Simon, der über 400 DWZ-Punkte stärker eingestuft war, und sah sich bereits früh mit einer Doppeldrohung (Bauerneinschlag auf b7 und Springergabel auf c7) konfrontiert. Im weiteren Verlauf entwickelten sich aber einige interessante Partien mit Chancen für die Altstädter. Frank Block spielte an Brett 6 gegen Dirk Strathoff und lag zwei Bauern zurück, hatte aber potenzielle Kompensation durch den unrochierten gegnerischen König und den eingeschlossenen Turm auf h1. Romuald Samisch setzten seinen Gegner Dirk Bense an Brett 5 stark unter Druck. Die Partie von Alfred Kotlar gegen Hans-Jörg Fritz an Brett 4 war schwer einzuschätzen. In meinen Augen stand Alfred etwas gedrückt, was aber nicht unbedingt etwas zu bedeuten hatte, da die Stellung geschlossen und nur sehr schwer zu öffnen war. An Brett 7 hatte Christian Mayeres gegen Manfred Büchle eine Qualität mehr, sein Gegner aber eindeutige Kompensation durch einen gedeckten Freibauern auf der 2. Reihe. Ein Remis schien möglich, mehr war aber für Christian definitiv nicht zu erzwingen.

Als erstes endete dann die Partie an Brett 1. Peter Trzaska traute sich gegen Thomas Bree erneut nicht, eine völlig offene Stellung weiterzuspielen, wählte erneut die Sicherheitsvariante und bot bereits nach 10 Zügen Remis, was sein Gegner annahm. Dann schien plötzlich alles für Altstadt zu laufen. Frank Block berichtete strahlend, dass Horst Stubbe gleich mattsetzen würde. In der Partie, die ich nach der scheinbar hoffnungslosen Situation gleich zu Beginn komplett aus den Augen verloren hatte, hatte Horst es irgendwie geschafft, den gegnerischen König aus seiner Festung zu locken. Einen Zug bevor letzterer auf h6 mattgesetzt werden konnte, gab sein Gegner auf. Und das war noch nicht alles: Auch Christians Gegner gab kurze Zeit später auf, nachdem er die Stellung allem Anschein nach überzogen hatte. Christian berichtete, dass sein Gegner zweimal Remis abgelehnt hatte und er schließlich die Qualität zurückopfern konnte und einen gewinnbringenden Freibauern erhielt. Aus ½ erwarteten wurden 2 tatsächliche Punkte und Altstadt führte mit 2½:½.

Es sah sehr gut für uns aus, zumal Peter Wernitz an Brett 3 gegen Fabian Stemmler einen gefährlichen Königsangriff gestartet hatte und Material zu gewinnen schien. Ganz so klar war die Sache trotzdem nicht. Frank opferte zwei Türme für die Dame und hatte nun noch mehr materiellen Nachteil. Es war fraglich, ob der Aktivitätsvorteil das kompensieren konnte. Ich hatte an Brett 2 gegen Tim Birnkraut den Anzugsvorteil meines Gegners nie ausgleichen können und musste meine Figuren sehr passiv stellen, um meine Stellung zusammenzuhalten. Außerdem kämpfte ich mit enormen Konzentrationsproblemen. Romuald machte weiter Druck, hatte aber immer noch kein Material gewinnen können und selbst eine sehr offene Königsstellung. Alfred hatte im Mittelspiel ein Remisgebot abgelehnt, was mich etwas in Sorge versetzte, da kein aussichtsreicher Angriff in Sicht war und er in dieser Saison schon mehrfach Stellungen überzogen hatte. Peter W. hatte bei seinem Königsangriff eine Dame und zwei Bauern für drei Leichtfiguren gewonnen. Die Stellung war allerdings alles andere als einfach und ihm fehlten offenbar die Ideen. Ein Remisgebot lehnte sein Gegner aufgrund des Gesamtstandes ab. Dann akzeptierte Alfred aber doch das Remis, was einen weiteren Schritt in Richtung Mannschaftspunkt(e) bedeutete.

Es folgte der erste Rückschlag für uns. Franks Gegenspiel hatte wohl nicht ausgereicht und er musste aufgeben. Auch Romuald geriet kurzzeitig etwas unter Druck. Er konnte jedoch eine sichere Remisvariante wählen, in der die Schwerfiguren abgetauscht wurden und nur noch je ein Läufer bei gleicher Bauernanzahl verblieb. Nach Beendigung dieser Partie fehlte uns noch ein halber Punkt zum Unentschieden, was aufgrund der Ausgangslage ein Erfolg wäre. Peter W. hatte aber keinen Durchbruch erzielen können und eine Qualität geopfert. Die Stellung war sehr schwierig zu spielen und er verlor schließlich auf Zeit. Beim Stand von 3½:3½ sollte also meine Partie die Entscheidung bringen. Glücklicherweise hatte mein Gegner es versäumt, den Druck zu verstärken. Als er in ein Endspiel mit (vorläufigem) Mehrbauern abwickelte, erhielt ich plötzlich Gegenspiel. Ich versuchte anschließend verzweifelt, den Bauern mit Erhalt meiner Drohungen zurückzugewinnen aber auch mir gelang es nicht, entscheidenen Vorteil zu erzielen. Schließlich akzeptierten wir beide das leistungsgerechte Remis, was auch für das Gesamtergebnis ein Unentschieden bedeutete.

Die Einzelergebnisse im Überblick:

Br. Rangnr. SF Brackel 3 Rangnr. SC Recklinghausen Altstadt 1 4:4
1 17 Bree, Thomas 2 Trzaska, Peter ½:½
2 18 Birnkraut, Tim 3 Glahn, Michael ½:½
3 19 Stemmler, Fabian 6 Wernitz, Peter 1:0
4 21 Fritz, Hans-Jörg 7 Kotlar, Alfred ½:½
5 22 Bense, Dirk 8 Samisch, Romuald ½:½
6 23 Strathoff, Dirk 1001 Block, Frank 1:0
7 24 Büchle, Manfred 1002 Mayeres, Hans-Christian 0:1
8 3003 Simon, Thomas 14 Stubbe, Horst 0:1

Durch das Unentschieden verbleiben wir auf dem 5. Tabellenrang. Das Überraschungsteam Kamen II, welchem bereits vor der Partie Rang 2 nicht mehr zu nehmen war, bewies, dass es zurecht da oben steht und besiegte den Tabellendritten Welper II knapp mit 4½:3½. Durch diesen Sieg erzeugte Kamen sogar noch Druck auf Spitzenreiter Listiger Bauer Essen. Der Aufstiegsfavorit gab sich jedoch beim 6:2-Erfolg über Bottrop II keine Blöße und darf den Aufstieg bejubeln. Kamen qualifiziert sich für die Relegation. Herzlichen Glückwunsch an beide! Ebenso überraschend wie der zweite Platz für Kamen ist für mich der Abstieg von Sodingen/Castrop III. Die Mannschaft, die uns zum Auftakt mit 5:3 das Nachsehen gegeben hatte, hätte zum Abschluss einen Erfolg über Osterfeld gebraucht, um noch an Osterfeld und Bottrop vorbeizuziehen. Osterfeld aber siegte mit 4½:3½ und hält die Klasse. Bottrop und Sodingen/Castrop steigen ab. Im letzten Spiel schlug Weiße Dame Borbeck II die bereits als Absteiger feststehende vierte Mannschaft des SV Wattenscheid deutlich mit 7:1 und entledigte sich damit in überzeugender Manier sämtlicher Abstiegssorgen.

Die Tabelle im Überblick:

Pl. Mannschaft 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Sp + = MP BP
1 SC Listiger Bauer Essen 1 ** 5,5 4,0 6,0 5,0 5,0 4,5 6,0 5,0 5,0 9 8 1 0 17 46.0
2 SV Kamen 2 2,5 ** 4,5 5,5 5,0 4,5 4,5 7,0 4,5 5,5 9 8 0 1 16 43.5
3 SV Welper 2 4,0 3,5 ** 4,0 6,0 4,0 3,5 6,5 5,0 5,0 9 4 3 2 11 41.5
4 SF Brackel 3 2,0 2,5 4,0 ** 4,0 4,0 6,5 4,5 4,0 5,5 9 3 4 2 10 37.0
5 SC Recklinghausen Altstadt 1 3,0 3,0 2,0 4,0 ** 4,5 5,5 5,0 3,0 5,5 9 4 1 4 9 35.5
6 Schwarze Dame Osterfeld 1 3,0 3,5 4,0 4,0 3,5 ** 3,5 4,5 4,5 7,0 9 3 2 4 8 37.5
7 Weiße Dame Borbeck 2 3,5 3,5 4,5 1,5 2,5 4,5 ** 3,0 5,0 7,0 9 4 0 5 8 35.0
8 SV Bottrop 2 2,0 1,0 1,5 3,5 3,0 3,5 5,0 ** 4,5 4,5 9 3 0 6 6 28.5
9 SK Sodingen / Castrop 3 3,0 3,5 3,0 4,0 5,0 3,5 3,0 3,5 ** 6,5 9 2 1 6 5 35.0
10 SV Wattenscheid 4 3,0 2,5 3,0 2,5 2,5 1,0 1,0 3,5 1,5 ** 9 0 0 9 0 20.5

Der fünfte Platz für Altstadt ist ungefähr erwartungsgemäß. Chancen auf mehr vergab man durch die frühe Niederlage gegen Sodingen/Castrop und den unnötigen Rückschlag gegen Kamen. Wir freuen uns auf eine weitere Saison in der Verbandsklasse und hoffen, dass wir diesmal etwas mehr Druck auf die Favoriten ausüben können.

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Ein Kommentar zu (Ersatzgeschwächte) Erste erkämpft Remis zum Saisonabschluss

  1. Udo Wickenfeld sagt:

    Ich freue mich für die Mannschaft, dass sie gestern unter nicht ganz einfachen Voraussetzungen das Unentschieden in Brackel geschafft hat. Ein besonderes Lob gebührt unserer Mannschaftsführung. Sie hat es wieder geschafft, dass an allen Brettern für Altstadt Schach gespielt wurde.
    Mit dem erreichten fünften Tabellenplatz können wir leben. Dieses Ergebnis ist auch in etwa erwartet worden.
    Im Namen des Vorstandes danke ich allen Spielern unserer Mannschaft, die in der langen Saison in der Verbandsklasse für Altstadt gekämpft und dieses Saisonziel erreicht haben. Wir freuen uns alle auf die kommende Saison 2016/2017!
    Ein besonderer Dank geht auch an Michael Glahn für die schnelle und informative Berichterstattung.

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